
Hermine Overbeck-Rohte München 1994- Ausschnitt, Overbeck-Museum, Bremen
„Du traust mir nicht genug Talent zu!“ schrieb Hermine Rohte ihrem Verlobten und damaligen Lehrer, dem Maler Fritz Overbeck. Sie forderte ihren Anteil an der Kunst, ist sich aber gleichzeitig darüber im Klaren, dass sie mit der Heirat nicht mehr so viel Zeit zum Malen haben wird.
1896 kommt Hermine Rohte gemeinsam mit ihrer Freundin Marie Bock nach Worpswede um bei Fritz Overbeck weiter zu lernen. Sie ist damit die erste Malerin in Worpswede. Ihr Talent zu malen und zeichnen zeigte sich früh. Sie konnte aber auf Grund der damaligen Rollenerwartungen erst spät die Ausbildung zur Malerin beginnen. Trotz eingeschränkter Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen lernte sie sogar fotografieren und hat als Fotografin einen besonderen Blick für Bildausschnitte und Blickwinkel. Dieser zeigt sich auch in ihrer Malerei.
Die Ausstellung zeichnet den Weg Hermine Overbeck-Rohtes von den ersten Anfängen in der Kunst bis zu ihren späten Werken nach. Ein besonderes Highlight sind ihre Originalfotografien, die nach dieser Ausstellung lange nicht mehr zu sehen sein werden.
Anders als ihre wesentlich berühmtere Kollegin Paula Modersohn-Becker erfuhr Hermine Overbeck-Rohte erst spät Anerkennung. Ihre Bilder blieben zu ihren Lebzeiten und noch lange danach im Verborgenen. Ein Museum, dass ihr und ihrem Mann in Bremen -Vegesack gewidmet ist, hätte sie sich nicht träumen lassen.
Wer mehr zu Hermine Overbeck- Rohte und den Schwierigkeiten erfahren möchte, unter denen Frauen zu ihrer Zeit Künstlerin wurden, ist herzlich eingeladen in Worpswede an einer Führung Worpsweder Frauenporträts teilzunehmen.
Die Ausstellung „ Du traust mir nicht genug Talent zu!“ Hermine Overbeck-Rohte in ihrer Zeit ist noch bis zum Weltfrauentag am 08.03.26 im Overbeck-Museum in Bremen -Vegesack zu sehen.

Akteure des Bremer Geschichtenhauses auf dem Marktplatz Foto: Julia Harjes
Sie haben es geschafft. Das Bremer Geschichtenhaus bleibt erhalten!
Wir freuen uns sehr mit dem Bremer Geschichtenhaus, dass die Finanzierung des Projekts für 2026 gesichert ist.
Ab Februar können Touristen und Einheimische wieder in die Geschichte Bremens eintauchen. Im Geschichtenhaus in Bremens ältestem Stadtteil Schnoor gelegen, wird die Geschichte Bremens von Mitte des 17. Jahrhunderts bis in das frühe 20. Jahrhundert lebendig. An einzelnen Stationen trifft man auf verschiedene Gestalten, welche die Besucher mitnehmen in das Leben im Bremen der Vergangenheit. Das in der Bundesrepublik einmalige Projekt zur Wiedereingliederung Langzeitarbeitsloser ist in einem alten Packhaus zu Hause. Hier schlüpfen die Darsteller in verschiedene Rollen.
Wie war das Leben, als die Stadt noch von einer Stadtmauer umgeben war? Mit welchen Schwierigkeiten kämpften die Besatzungen der Schiffe und welche Originale gab es in Bremen? Treffen Sie Fisch-Lucie oder Heini Holtenbeen, einen Böttchermeister oder aber die Bremer Giftmischerin Gesche Gottfried. Lassen Sie sich im historischen Ambiente über die Gefahren unterrichten, denen Stadt und Schifffahrt ausgesetzt waren oder begegnen Sie einem Bremer Kaffeekaufmann. Ehrensache, dass Sie auch Kaffee bekommen, schließlich hatte Bremen schon 1673 das erste Kaffeehaus am Marktplatz. Seitdem ist der Kaffehandel nicht mehr aus der Geschichte wegzudenken. Da die Mitarbeiter sich die Charaktere selbst aussuchen und erarbeiten sind bei jedem Besuch neue Gestalten zu entdecken.
Die Führungen von ca 60 Minuten Dauer starten immer zur halben und vollen Stunde.
Auch während einer Führung durch die Altstadt können Sie den kostümierten Darstellern mit etwas Glück begegnen. Halten Sie ruhig Ausschau nach diesem wunderbaren Fotomotiv.
Öffnungszeiten und Preise des Geschichtenhauses finden Sie hier.

Paula Modersohn-Becker
In einem Monat ist es so weit. Die Ausstellungen Paula Modersohn-Becker und ihre Weggefährtinnen öffnen in Worpswede.
Unter dem Motto „der unteilbare Himmel“ widmen sich vier Worpsweder Museen schon im Vorfeld des 150. Geburtstags von Paula Modersohn-Becker der Malerin und ihren Weggefährtinnen. Sowohl die Kolleginnen in Worpswede, die zeitgleich mit ihr eigene Kunstvorstellungen entwickelten, als auch die Zeitgenossinnen in anderen Künstlerkolonien werden präsentiert. Dabei hat sich jedes der vier Museen ein eigenes Thema vorgenommen.
Im Barkenhoff geht es um Clara Westhoff und Paula Becker, die beiden Freundinnen, ihre Skulpturen und Malereien – sowie ihre von Höhen und Tiefen geprägte lebenslange Freundschaft.
Die Worpsweder Kunsthalle widmet sich der wenig bekannten Mitstudentin bei Fritz Mackensen, Ottilie Reylaender. Sie kommt schon als 15-Jährige nach Worpswede und ist zunächst stark von der älteren Kollegin Modersohn-Becker beeinflusst. Ihr Lebensweg führt sie nach Berlin, Mexiko und zurück nach Berlin. Höhepunkt ist ihre Ausstellungsbeteiligung 1912 auf der Ausstellung des Sonderbunds in Köln, die der Moderne zum Durchbruch verhelfen wollte. Eine spannende Biographie und ein entsprechend vielseitiges Werk.
Das Haus im Schluh entdeckt seine Gründerin Martha Vogeler neu. Ihre Wandlung von Model und Muse zu einer eigenständigen Kunsthandwerkerin zeigt Möglichkeiten und Grenzen einer Frauenbiografie in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf.
Die Große Kunstschau stellt sich der Aufgabe Paula Modersohn-Becker in einen umfassenderen kunsthistorischen Zusammenhang zu stellen. Wer waren die Künstlerinnen, die zeitgleich mit ihr Neues schafften? Was hat ihr Werk uns heute noch zu sagen und wie ist die Reaktion der Stipendiatin der Künstlerhäuser Anahita Razmi zu sehen?
Zu den Ausstellungen „Paula Modersohn-Becker und Weggefährtinnen“gibt es passende Führungen
Ausstellungsführung „Paula Modersohn-Becker und Weggefährtinnen“, Museumsführung in zwei Museen nach Wahl, mit einem kurzen Spaziergang zu Orten, aus dem Leben der Künstlerin. Dauer 2,5 Stunden
Ortsführung „Paula Modersohn-Becker, Pionierin der Moderne in Deutschland“ widmet sich dem Leben der Malerin und folgt ihren Spuren in Worpswede. Ein halbstündiger Besuch eines Museums ist eingeschlossen.
Die Ortsführung „Worpsweder Frauenporträts“ stellt Biographien von Frauen in Worpswede gestern und heute vor. Von den Schwierigkeiten der ersten Frauen bis zu den Möglichkeiten, die die Künstlerkolonie heute bietet, ist dies ein Spaziergang, der ebenfalls einen Museumsbesuch von 30 Minuten einschließt.
Die Ausstellungen beginnen am 29.Juni 2025 und enden am 18. Januar 2026.
Ab Februar 2026 beginnt das eigentliche Jubiläumsjahr mit weiteren Ausstellungen zum Thema in Worpswede und der Ausstellung “ Becoming Paula“ in den Museen Böttcherstraße in Bremen. Im Herbst schließt sich „ Edvard Munch und Paula Modersohn-Becker im Bremer Museum an. Gerne können Sie schon jetzt ihre Führungen mit mir planen.

Paula Modersohn-Becker Vier Baumstämme um 1899, Foto Julia Harjes
Die Museen Böttcherstraße haben einige Hauptwerke nach Amerika verliehen. Dies gibt die Möglichkeit die Ausstellung einmal völlig neu zu gestalten. „ Short Stories“ heißt das neue Format für Genießer, welches Paula Modersohn – Beckes Werk unter thematischen Gesichtspunkten betrachtet. Die Ausstellungsschwerpunkte bieten einen ganz besonderen und intensiven Blick auf das Werk der Malerin.
Paula Modersohn-Becker und Hoetger als Sammler zeigt den Weg von der ersten Begegnung bis zur Eröffnung des Museums 1927. Bernhard Hoetger war nicht nur zu Lebzeiten der Künstlerin ihr Freund und Unterstützer, sondern auch einer ihrer ersten Sammler. Er machte den Kaffeekaufmann Ludwig Roselius auf ihr Werk aufmerksam und entwarf das ihr gewidmete Museum.
Er prägt bis heute die Sichtweise auf die Künstlerin. Da die Malerin und der Bildhauer teilweise ähnliche Motive bearbeitet haben, lässt sich die unterschiedliche Auffassung in ihrem jeweiligen Metier gut nachvollziehen.
Der Themenschwerpunkt „Tier -Kind – Natur“ ist eines der zentralen Themen im Werk der Malerin. Ab 1902 malte Paula Modersohn-Becker Figuren in der Natur, insbesondere Kinder und Tiere. Sie verzichtete dabei auf jegliche Symbolik und Handlung. Tiere und Kinder bewegen sich scheinbar unbeobachtet in der Natur Worpswedes. Worpswedes .
In den Bildern ist nachvollziehbar, wie die Künstlerin gearbeitet hat. Sie experimentiert mit ungewöhnlichen Größenverhältnissen und Bildausschnitten. Dabei zeigte die Malerin früh ein starkes Selbstbewusstsein. 1902 schrieb Paula Modersohn-Becker ihrer Mutter „ Ich werde etwas“.
Ein ganz besonderes Werk dieser Ausstellung ist dabei neu in der Sammlung. Es wurde seit über 100 Jahren nicht öffentlich ausgestellt und ist erst kürzlich als Dauerleihgabe in die Sammlung gekommen. Im Mittelpunkt steht ein Tier, ob Schaf oder Ziege ist nicht klar zu erkennen. Die menschlichen Figuren am Rand sowie die Landschaft sind scharf angeschnitten. Die dadurch erzeugte Fokussierung auf das Tier wird noch durch die Horizontlinie unterstrichen. Sie rückt ganz an den oberen Bildrand. Ein schönes Beispiel von Paula Modersohn-Beckers Weg in die Moderne.
Die schon länger ausgestellten Themenschwerpunkte Worpsweder Landschaften und Stillleben sind weiterhin zu sehen. Außerdem widmet das Museum einen Raum der „Alten Armenhäuslerin mit Glaskugel und Mohnblumen“. Mit Zeichnungen und Bildern wird verdeutlicht, wie sich Paula Modersohn-Becker immer wieder in das Motiv der alten Mutter Schröder mit Krückstock vertiefte.
Diese und weitere Ausstellungsinhalte zu Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger machen den Museumsbesuch zu einem besonderen Genuss in der Weihnachtszeit und im Neuen Jahr.
Die Gelegenheit thematisch fokussiert in dass Werk der Künstlerin einzutauchen bietet sich noch bis zum 12.01.25. Danach schließt das Museum vom 13.01.25 bis zum 24.01.25 für den Umbau zur Ausstellung „Camille Claudel und Bernhard Hoetger“.

John and Will Bremen Überseestadt, Foto Julia Harjes
Wer nach Bremen reist, den erwartet eine schöne Innenstadt und natürlich die Stadtmusikanten. Wer darüber hinaus guckt, entdeckt schnell die Überseestadt, das etwas andere Bremen. Hier in den alten Hafengebieten entsteht seit Anfang des Jahrtausends ein neues Quartier mit einer reizvollen Mischung. Wohnen und Arbeiten und nach wie vor auch Hafenbetrieb. Alte Hafenstrukturen treffen auf neue Gebäude. Umgenutzte alte Gebäude und noch für Hafenbelange genutzte Speicher kontrastieren mit moderner Architektur.
Mit der Überseeinsel, zwischen Europahafen und Weser gelegen, wird die Überseestadt nun zu einem der größten Umbauprojekte Deutschlands. Hier auf dem alten Kelloggsgelände und den angrenzenden ehemaligen Firmengeländen entsteht ein erstaunlich grünes Stadtviertel mit alternativen Energien und wenig Verkehr. Eigentlich kann man alle paar Wochen neue Entdeckungen in der Überseestadt machen.
Für die Kulinarik ist auch gesorgt. Besonders um die Mittagszeit findet man eine große Auswahl an internationalen Angeboten. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass dreimal so viele Menschen in diesem Viertel arbeiten, wie es Einwohner gibt. Jetzt in der Herbstzeit bietet sich auch ein Abstecher in die Bremer Lebkuchenmanufaktur an, bevor man in der alten Hag Fabrik bei Lloyd Kaffee frisch gerösteten Kaffee genießt. Oder ist Ihnen mehr nach einem besonderen Bier? Der Hopfenfänger verarbeitet den Hopfen der benachbarten Gemüsewerft. Egal wo Sie am Ende landen, eine Führung zu Fuß, mit dem Fahrrad oder aber eine begleitete Rundfahrt mit dem eigenen Bus bietet spannende Einblicke in einen der modernsten Stadtteile Bremens.
